Nachts um vier

•3. Juli 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Eine Familie, im Auto, und mittendrin ich.

Es regnet, stark. Die letzten drei Tage hat’s schon ununterbrochen geregnet… wir fahren eine Allee entlang, links und rechts begleiten uns stetige Reihen von Ahornbäumen – in Texas eine Seltenheit.
Unter „normalen“ Umständen würde ich das schön finden, wunderschön, würde barfuß im Regen die Allee langlaufen wollen. Würde dabei lachen, oder zumindest breit grinsen. Aber die Umstände sind nicht „normal“, und die Allee ist nicht nur irgendeine. Es ist die Allee, die mich zum Ort des Abschieds führt, zum Flughafen.
Ein Jahr ist vergangen, seitdem das letzte Mal so etwas anstand. 10 Monate, voller Erfahrungen und Erinnerungen. Voller Gefühle, starke.
Dass sich das so stark entwickelt, habe ich mir nie erträumt. Umso sprachloser war man dann im Auto, die letzte Autofahrt, die letzte Stunde eines wunderschönen Jahres, stumm.
Stillschweigend fliegen die Meilen dahin, jeder still für sich.
Zusammenbrechen möchte man ja nicht – und so behält jeder seine Gefühle für sich, versucht den Fakt, dass dies die Fahrt zum Flughafen ist, noch ein wenig weiter aufzuschieben.
Dann hört der Regen auf, an die Fensterscheiben zu prasseln – wir sind unter’m Flughafenvordach angekommen. Beim Entladen der Koffer und Checkin wird noch gescherzt, über das Übergepäck, über die Gitarre, die’s vielleicht doch nicht durch die Security schafft.
Dann sind die Koffer weg. Eingecheckt, auf dem Weg nach Deutschland. Alles was ich dann noch habe, ist mein Reisepass, mein Ticket, mein Handgepäck (mit Gitarre!) und mein wertvollster Besitz: Meine Familie.
Vor Abreise meinte Dad oft: „Man, du sorgst dich ja mehr um die Gitarre als um all dein anderes Gepäck zusammen!“
Hätte ich die Wahl, ich würde sofort meine Gitarre dalassen und stattdessen meine Familie mitnehmen.
Und so kommt es nach zehn Monaten zu dem Augenblick, den viele als den schwersten Moment ihres Jahres bezeichnen; der Augenblick, bevor man sich umdreht und durch den Securitycheck geht.
Und während der großen, tränenreichen Familienumarmung blicke ich nach draußen, und sehe wie sich der Regen verschlimmert. Ich sage mir, das könnten Engel sein, die mit uns um diesen Augenblick weinen.
Als ich mich zum Securitycheckpoint umdrehe, sehe ich, wie die Sonne aufgeht. Dass sie scheint, jeden Tag.
Und so sage ich mir, es ist kein Goodbye.
Es ist ein „See you later.“

Heimweh ist die Sehnsucht in der Fremde, wieder daheim zu sein.

•30. April 2010 • 2 Kommentare

So definiert Wikipedia den Begriff Heimweh. Das ist teilweise richtig, aber teilweise falsch. Richtig ist, dass Heimweh definitiv der Wunsch ist, daheim zu sein. Was passiert aber, wenn man zwei Orte hat, die man daheim nennt?

Mal wieder gab’s ein solches YFU-Meeting… ich glaube, kaum jemand war ganz ehrlich in Gedanken schon wieder zu Hause. Umso überraschender, als die Einladung zur „Re-Entry-Orientation“ kam. Diesmal war’s im Gegensatz zum Meeting im Januar sogar im Spaßrahmen – Camping in Fort Davis, fast bei der mexikanischen Grenze – Grenzpatroullie garantiert!

Wir, das sind meine Gasteltern und ich, also am Samstag morgen an, und hatten auch nicht geplant, zu bleiben, sondern einfach nur den Pflichtteil mitzunehmen, und wurden direkt mit hineingezogen… man sprach mit uns darüber, wie hart der Abschied sein würde. Wie man sich drüben wieder einfindet. Was einen dadrüben unter Umständen erwartet. Und zuguterletzt auch, wie man packt. Dass man sich von sehr vielen Sachen letztlich verabschieden muss… [Ich persönlich möchte eigentlich nichts wegschmeißen. Das heißt, jeder meiner Freunde wird ein paar Kleidungsstücke kriegen... ne Jacke, T-shirts, oder was auch immer.]

Da wurde mir zumindest dann das erste mal klar, wie nah das ist. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, zu der ein gewisser Abreisetermin noch ca. 1 1/2 Monate entfernt lag, und es einfach so weit weg erschien… letztenendes war’s Pustekuchen, und ich hatte damals (ja, so lang ist’s her!) viel mehr Freizeit als jetzt… und jetzt sind es nur noch zwei Monate.

Als dann das Thema ABSCHIED NEHMEN zur Sprache kam… für die Meisten gab’s kein Halten mehr. Ich war den Tränen sehr nahe, als meine Mom dann hinter ihrer Sonnenbrille anfing, zu weinen, konnte ich’s dann auch nicht mehr halten. Es war das erste Mal, dass ich sie weinen sah, und es war wegen mir! Das hat mir nochmal vor Augen geführt, wie sehr wir uns alle gegenseitig ans Herz gewachsen sind… Aber einerseits finde ich, dass jeder nach diesem großartigen Jahr einen würdigen Abschied verdient hat, andererseits ist kein Goodbye für immer – es gibt immer ein zweites Mal. Und dann ein Drittes. Und dann ein Viertes.

Man ist irgendwo innen ja auch froh, endlich wieder nach Hause zu kommen, zurück in sein altes Leben, zurück dahin, was man über anderthalb Jahrzehnte lang Zuhause nannte… aber man realisiert: Man hat zwar sein Leben dadrüben verlassen, aber definitiv hier drüben nicht nicht-gelebt. Man hat hier drüben ein neues Leben gefunden. Eine neue Familie. Neue Freunde. Ein neues Zuhause… und es fühlt sich definitiv an, als sei man erst gestern durch diese Tür gekommen. Als wäre man gerade erst angereist. Die vergangenen 8 Monate erscheinen einem wie im Flug vorbeigegangen zu sein – viel zu schnell, um wahrzusein. Und viel zuschön, um wahrzusein. Und wie soll unsereins, kaum einer älter als 18-Jahre alt, es verstehen, wenn man gerade, als man sich richtig, ich meine richtig, einlebt, schon wieder gehen muss? In den Worten einiger Freunde: Das ist FUBAR.

Anfangs, als ich herkam, dachte ich, das einzige was mich hier ernsthaft packen könnte, wäre Heimweh. Heimweh nach daheim, da wo man sich geborgen fühlt, da wo die Freunde, die Familie sind, da wo man fast sein ganzes Leben verbracht hat.

Einerseits ist man natürlich daheim in Deutschland, wo man sein altes Leben quasi zurückgelassen hat. Man möchte zurück dahin, Freunde, Familie, Bekannte wiedersehen – Das ist Heimweh im klassischen Sinne. Ich jedoch, und so ziemlich jeder andere Austauschschüler auch, habe während meines Auslandsjahres einen neuen Ort gefunden, den wir daheim nennen – unsere Gastfamilie, die einen wirklich komplett wie ein eigenes Kind behandelt, und die Freunde, die man hier gefunden hat.
Ich möchte nicht weg von hier. Ist das Heimweh? Ich bin doch gewissermaßen in der Fremde, und ich möchte hier bleiben, hier an dem Ort, den ich jetzt ein Jahr lang, und auch mein Leben lang daheim nennen werde. Natürlich, ich möchte nach Hause. Ich möchte auch in mein altes Leben zurück, auch wenn es sich so sehr verändert hat, dass ich es anfangs kaum wiedererkennen werde – aber ich möchte zurück. Das ist Heimweh. Aber es ist genauso Heimweh für mich, dass ich hier nicht wegmöchte – denn dieser Ort ist genauso daheim wie Deutschland. Und gehen wir nach der Definition, würde ich für mich persönlich die Bedingung, dass man in der Fremde ist, streichen. Denn weder Gütersloh, noch Seminole, sind mir fremd, sie sind mir ein Zuhause geworden, und dennoch, an welchem Ort auch immer, werde ich mich nicht komplett zu Hause fühlen, ein „Daheim“ wird immer fehlen, und damit die wunderbaren Menschen, die man damit verbindet. Ein wenig Heimweh wird immer bleiben. Nach welchem Heim auch immer…

Wir haben nicht einfach aufgehört, in Deutschland zu leben und hier ein neues Leben aufgebaut, genausowenig wie wir aufhören werden, hier drüben zu leben, wenn wir wieder zurückkehren – dieses, und das Leben in Deutschland, werden für immer ein Teil unserer Person sein. Ich weiß für mich, ich werde nie mehr abfällig über Country oder Cowboys sprechen. Denn irgendwo tief in mir, auch wenn ich später im Altersheim Mikado spiele, sitzt immernoch irgendwo ein Texaner.

Spring Break und das danach…

•30. April 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Wieder mal viel zu lange, dass ich was gepostet hab.

In den Wochen nach dem letzten Eintrag hatte ich dann erstmal ein weiteres YFU-meeting… 50 Austauschschüler, und jeder eine Collage gemacht, mit Zeugs drauf, das neu für einen ist. Klang ganz schön ätzend, und ich hab’s wochenlang vor mir hergeschoben, aber letztenendes hab ich mich dann auch mitten in der Nacht dran gemacht und sie fertiggestellt… mit viel zufälligem Zeug, das hier im Zimmer herumflog. Im Endeffekt hat sich das ganze aber als ziemlicher Spaß herausgestellt, vor allem, weil man die ganzen Austauschschüler, die man vom letzten Treffen kennt, wiedertrifft :) Auch sowieso – irgendwie fühlt man sich hier total wohl, aber unter Austauschschülern ist das nochmal ne ganz andere Sache… wenn man irgendwelche Sorgen oder Probleme hat, die meisten verstehen’s einfach, weil sie durch das gleiche gehen… und es ist einfach voll beruhigend, so jemanden zuhaben und auch zum reden zu haben… [Thanks, tak! Even though the two I refer to mostly will never read this]

Also, bezogen auf Schule, ist hier nicht viel passiert – mal der eine Test hier, mal der andere da. Ach warte! Das Schuljahr geht ja schon gen SPRING BREAK neigt… was ist das noch gleich? Es ist die Woche, und das variiert von Schulbezirk zu Schulbezirk und von College zu College, in der die Schüler eine Woche Ferien in dem sonst sehr Ferien-armen Amerika kriegen… Dementsprechend groß wird Spring Break auch behandelt. Highschool Schüler verreisen meist irgendwohin, wo man normal nicht hinfährt; Collegestudenten haben in dieser Woche vermutlich die Party ihres Lebens… Wie sah also mein Spring Break aus? Ehm… Nicht so pralle. Erstmal ging’s in die Hose, weil alle im Haus irgendwie krank wurden… ausgenommen mir. Entsprechend fielen alle Urlaubspläne total flach… also eine Woche zu Hause, langweilen. Wow. Spring Break ist Spaß, wenn man wegkommt – wenn man zu Hause sitzt, ist’s wie Christmas Break… man tut nichts, die Leute sind alle weit weg, man kann folglich nichts unternehmen und naja, hat ganz ganz viel Zeit, seine Wäsche zu machen.

Irgendwie kamen dann auch noch hinundwieder kleine Missverständnisse mit der Familie – alle insgesamt aber nicht mehr wirklich der Rede wert und auch geklärt. :)

Naja. Ich war dann auch wirklich froh, als sich Spring Break dem Ende geneigt hat… denn direkt im Anschluss ging’s nach KALIFORNIEN!

Ich muss sagen, diese Woche sollte einer der besten meines Lebens werden… trotz viel zu viel ausgegebenen Geld, bösem Muskelkater vom Hiking (Ja, den gibt’s!) und teilweise sehr wenig Schlaf.

Es sollte nicht nur eine Reise werden, wie sie jeder im Katalog buchen kann… es sollte UNSERE Reise werden. Mit ca. 50 Austauschschülern aus aller Welt (von denen aber gefühlte 25 aus Deutschland kamen) ging’s also in den Bus, und Kalifornien im Speeddurchlauf erkunden… Start in LA. Erstmal bekannt gemacht, was macht BeloUSA (der Reiseveranstalter), Regeln und all sowas. Nicht ganz so berauschend, aber immerhin. Klang an sich ganz gut…

Wie sich diese Woche entwickelte… nunja. Es wurde wie gesagt eine der besten Wochen meines Lebens. Man knüpft unheimlich viele internationale Kontakte, und wir haben echt viel von Kalifornien gesehen – New Port Beach, Hollywood, Beverly Hills, Disney Land, Universal Studio Parks, Yosemite National Park, Alcatraz und die Golden Gate Bridge – nur um mal einige zu nennen. Insgesamt wäre diese Reise aber nicht so großartig gewesen, wenn nicht dieselben Leute in derselben Zusammenstellung dagewesen wären… Ja, selbst die Deutschen, die immerzu Deutsch sprachen, und das in dem nervigsten Dialekt… oder wen hätte ich sonst mit einem raschen „Joa mei, jetscht hörscht mia doch emma uff de ganze Zeit doitsch zu spresche!“ total aus der Bahn werfen können? [Oder wem würde ich sonst genau jetzt beim Schlafen zusehen? ;) ] Das war’s dann auch den Tonnenstapel an Hausaufgaben wert…

Andererseits… irgendwo ist eine Woche, in der man Schule verpasst, auch recht viel. Letztes Mal gesagt, Gefühlsleben ist rasanter hier drüben – in der einen Woche hat sich soviel verändert, wie in manch anderen Orten in 100 Jahren nicht…

Prom stand dann auch irgendwann danach an… Für viele DAS EREIGNIS des Jahres… für mich nach einer Menge Drama einfach nur eine normale Party, auf der wir verdammt viel Spaß hatten. :) Falls irgendwelche zukünftigen Austauschschüler mitlesen… keine Sorge wenn ihr kein Promdate habt. Ich wäre letztenendes viel lieber ohne gegangen, aber dann war’s auch schon zu spät…

Nach langer Zeit mal wieder…

•14. Januar 2010 • 2 Kommentare

Ich weiß, ich sollte einen Blog nicht beinahe zwei Monate verwaist lassen. Trotzdem, es gab wichtigeres & wenn man mal Zeit hat, denkt man halt nicht unbedingt immer an den Blog…

In den fast zwei Monaten ist recht viel passiert/erlebt:

1. Postseason-Depression (oder: Offseason Training): Um sich in Form zu halten (oder auch zu bringen) für die nächste Saison, ist man als Footballspieler quasi verpflichtet, am Offseasontraining teilzunehmen. Offseason ist so ziemlich das blödeste, was es an Sport gibt – man trainiert extrem hart und irgendwie kriegt man nicht wirklich direkt was zu sehen davon.

2. Thanksgiving: statistisch der Tag, an dem in den USA am meisten Essen pro Kopf verschlungen wird. Vor Weihnachten noch. Das hab ich einige Stunden vor’m großen Fressen gelesen… und sah dem Ganzen irgendwie mit Grauen entgegen. Dazu kommt dann auch noch das ganze Familienzeug – an sich nichts schlimmes, aber wenn man als Austauschschüler sich dann auch noch geschätzte 50 Namen zusätzlich an einem Tag merken muss, wird das irgendwie zuviel. Insgesamt ist hier Thanksgiving aber einfach eine Familienzusammenkunft, zu der unheimlich viel gegessen wird. Der Truthahn gehört natürlich dazu! Ganze 5 Truthähne gab’s allein bei uns an dem Tag. Mit der ursprünglichen Bedeutung, wieso Thanksgiving überhaupt gefeiert wird, hat das nicht mehr viel zu tun [Großzügige, nette Indianer hatten Anno Domini wasweißichwann europäische Siedler vor dem Verhungern gerettet], von „vor dem Verhungern retten“ kann bei der Essensschlacht nicht mehr die Rede sein. Vielleicht liegt’s aber auch einfach daran, dass hier alles bisschen größer ist. Everything is big in Texas!

3. Gefühlsleben ist rasant hier. Alles kann sich innerhalb von paar Tagen verändern. Selbst, wenn man denkt, es hält ewig – Nein, hier kann’s auch nach 2 Tagen vorbei sein. Vielleicht liegt das auch an der Einstellung der Amerikaner zu sowas: Hier reicht ein „Like“ (Nein, nicht das like, das man später automatisch 10x in Sätze einbaut!) für eine Beziehung aus. Irgendwo praktisch, irgendwo aber auch blöd. Wie auch immer, kann man sehen wie man will.

4. Weihnachtsshopping: DAS ist KRANK. Der Tag nach Thanksgiving, Black Friday, ist der offiziell erste Tag des Weihnachtsshoppings. Viele Läden öffnen um 5 Uhr morgens und haben auf ALLES Rabatte – wieviel hängt immernoch vom Produkt ab. Aber ernsthaft, da stehen dann wirklich um 5 Uhr morgens 100 Leute vor Walmart, die darauf warten, die Regale leerzukaufen – irgendwie gibt’s das in Deutschland nicht so wirklich. Auch in den Wochen danach, bis Weihnachten, wurd’s nicht wirklich besser… der Walmart Parkplatz war durchgehend voll, in vielen Läden konnte man teilweise bestimmte Sachen gar nicht mehr kaufen… zum Glück gibt’s dann noch immer amazon.com, was ich letztlich für meine Weihnachtsgeschenke benutzt hab. :) Zur Weihnachtszeit gibt’s aber quasi nur Angebote im Laden – die meisten großen Versandhändler nehmen nämlich vor Weihnachten ihre Superangebote raus…

5. Weihnachten selbst: Vielleicht leicht übertrieben. Aber dennoch toll. Die Vorweihnachtszeit war eher Arbeit und Stress – Geschenkeshopping und Haus dekorieren. Apropos Dekorieren, wer gedacht hat, dass das bei wem selbst extrem ist: Kommt nach Texas. Oder in die USA allgemein. Unser Haus war ein weniger dekoriertes – „nur“ zweifarbige Lichterkette auf dem Hausdach, 3 Weihnachtsbäume drinnen und die Bäume im Vorgarten mit Lichterketten umwickelt. Anderswo sind ganz andere Verhältnisse! An Weihnachten, hier der 25. Dezember, werden die Geschenke aufgemacht. Essen gibt’s fast wie an Thanksgiving, die ganze Familie kommt auch. Und noch viel besser: GESCHENKE!! :) Hier wird einfach so unheimlich viel verschenkt. Irgendwie fühlt man sich schon schlecht, wenn man alles geschenkt kriegt… Traditionell auch wieder mit Truthahn, und all dem anderen leckeren Zeug :) Insgesamt ist aber das ganze Drumherum größer als Weihnachten selbst…

6. Ferien. Genauer: Christmasbreak. Ferien sind was anderes als in Deutschland. In Deutschland sind Ferien zum Spaß haben da. Man macht mehr mit Freunden, als man sonst könnte. Hier eher gegenteilig. Die meisten sind während Christmasbreak woanders gewesen, bei Familie, sprich Oma und Opa halt, oder so. Das ist dann meist mehrere Stunden weit weg, was andere Leute, die hier im Ort bleiben, ziemlich gelangweilt zurücklässt. Irgendwie war ich dann letztlich froh, dass die Schule wieder anfing…

7. Handynutzung. In den USA benutzen Jugendliche anders als in Deutschland KAUM ICQ; MSN oder sowas. Normalerweise hat hier JEDER unlimited texting – soviel SMS wie man will. Dementsprechend wird das auch genutzt hier. Die meisten texten einfach so, wie manch andere über ICQ schreiben. Anfangs war ich eher skeptisch – aber wenn man keine andere Möglichkeit hat, mit den anderen in Kontakt zu bleiben, ist man irgendwann drauf angewiesen. Und von da an ging’s bergab. Handy, unlimited texting für 19$ im Monat. Von der Verbreitung der Unlimited-Tarife in Deutschland kann man nur träumen. Jedenfalls hat mich das unlimited texting echt gerettet. Man zahlt hier sonst, wenn man kein unlimited hat, meist so um die 10cent pro SMS. Gesendet UND EMPFANGEN. An manchen Tagen, an denen es bei mir über die 600 txts ging, wäre ein Handy ohne unlimited tödlich gewesen…

8. Drinkrefills: In Restaurants bezahlt man EINMAL ein Getränk, dann kriegt man einen Becher und man darf sich so oft Getränke nachfüllen wie man will. Wünschte, wir hätten das in Deutschland…

9. Amerikaner und deutsche Schokolade. In geringerem Ausmaß hab ich das schon erlebt, als ich herkam – Amerikaner mit ihrer Hershey’s Schokolade, die schlechter schmeckt als die billigste Schoki in Deutschland, kriegen Milka oder gar Lindt zu essen – Himmel für sie. Letzte Woche kam dann auch noch mein Paket aus Deutschland an. Mit 10 Kilo Schoki drin. Diesmal auch viel Kinder Schokolade und so. Das ist noch VIEL BESSER in ihren Augen als Milka – Ich zitiere einfach mal jemanden: „I don’t trust foreign chocolate. I don’t wanna eat it.“ „Just eat it, fag!“ „OH MY GOD THIS IS THE DAMN BEST CHOCOLATE I’VE EVER HAD IN MY LIFE I WANT MOOOORE!“

Soweit heute :) Wer irgendwas anderes wissen möchte, fragt einfach nach.

Liebe Grüße aus Texas :)

Football endgültig vorbei… und viiiiiel Zeit!

•25. November 2009 • 1 Kommentar

Statt wie erhofft, 5-6 Wochen Footballplayoffs (und somit state Champion werden) waren’s nun doch nur 2 Wochen… in der 2. Woche aus den Playoffs geflogen, trotz eines Halbzeitpunktestandes von 28:14 für uns. Am Ende hat’s doch nur noch zu einem 41:28 für Brownwood gereicht.
Irgendwie hat auch mich die Tatsache, dass Football vorbei ist, schon getroffen. Wenn man mal bedenkt, dass man jetzt über 2 Monate lang jeden Tag 4-5 Stunden mit denen zusammen war und einfach Spaß hatte (oder frustriert war, weil man verloren hat), werden die Teamkameraden für einen irgendwie echt wichtig. Wie Brüder. Und das soll jetzt alles mit einer einzigen Niederlage vorbei sein? No Way!
Jetzt, da Football vorbei ist, gibt’s aber zumindest auch kein Training nach der Schule mehr. Das bedeutet, Schulschluss um 15:45, auch für mich :) Und somit hab ich endlich mal viiiiel Zeit, mich um meine außer-football-Kontakte zu kümmern :)

Football ist vorbei… oder nicht?

•4. November 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Eigentlich hätten wir diese Woche unser letztes Spiel gehabt. Die letzte Woche der Footballsaison. Eigentlich spiele ich ja JV. aber… seit gestern weiß ich, dass ich für die Playoffs auf Varsitylevel hochgestuft wurde. Das heißt: etwa 5 Wochen länger Football. Härteres Training. Und Friday Night Football :D
In dem Sinne: Ihr werdet wohl die nächste Zeit noch weniger von mir hören als sowieso schon. Gewöhnt euch dran!

Spanks und ihre gesellschaftliche Bedeutung…

•14. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Im Fernsehen sieht man’s. Sportler hauen sich ständig auf den Hintern. Auch die klischee-Macho-harten-Footballkerle. Wenn man nämlich mal live als Spieler beim Football auf’m Feld steht, fällt einem neben der ungewohnten Härte dieses Spiels vor allem eins auf: die ständigen Buttslaps. Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Da stehen meist so 30 Spieler außerhalb des Feldes, weil sie gerade nicht drin sind und hauen sich gegenseitig auf den Hintern. Kerle. In aller Öffentlichkeit, vor Publikum. Sogar die Profi-Footballer im Fernsehen. Auch allgemein, nicht nur beim Football: Irgendwie fällt auf, dass hier allgemein viel mehr Schläge auf’n Hintern verteilt werden als in Deutschland. Von Eltern für ihre Kinder. Von Lehrern für Schüler (Ja, das gibt’s hier! Für grobe Verstöße gegen Schulregeln kann man hier zwischen Nachsitzen während Lunch oder eben Schlägen auf den Hintern, mit einem Holzpaddel, genannt Swats, wählen). Und natürlich zu guter letzt zwischen Schülern. Steht jemand mit dem Rücken zu einem am Spind, und jemand kommt vorbei, der dir Hallo sagen möchte – dann tut er das mit einem Buttslap.
Ein Klaps auf den Hintern sind in der amerikanischen Mentalität KEINE BESTRAFUNG, sofern nicht Kinder sie von Eltern oder Lehrern kriegen (Coaches sind da eine Ausnahme!) Sie sind vielmehr Zeichen des Respekts und der Anerkennung oder sollen Spieler während des Spiels aufmuntern. Wobei, ungewohnt war’s am Anfang trotzdem, für gute Plays vom Coach mal ‘nen Klaps auf’n Hintern zu kriegen. Aber man gewöhnt sich dran. Und irgendwie findet man letztlich daran auch Spaß.
Und wenn’s in Deutschland mal unerwarteterweise dazu kommen sollte, dass man in den Genuss eines Footballmatches im FreeTV kommt (zum Beispiel den Superbowl, der manchmal im ARD nachts, also live, kommt), dann kann man einfach dem Lehrer, oder später auch Arbeitgeber, als Grund für die Müdigkeit nennen: „Tut mir leid, ich hab letzte Nacht stundenlang zugesehen, wie sich Kerle gegenseitig auf den Hintern klatschen.“ Das sollte so ziemlich alle Nachfragen ausräumen. Mit dem Image, das man sich damit selbst aufdrückt, muss man allerdings ein andermal aufräumen…

Hölle, Hölle, Hölle!

•4. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Eigentlich war ja diese Woche am Wochenende mal shoppen angesagt. Aber dummerweise… fällt diese Woche alles zusammen. Erstmal Mittwoch, mein Knie. Beim Footballtraining, ich soll gegen 400 Pfund andrücken. Haha, sehr witzig – hab ich auch fast geschafft – nur drücken mich dann die 400 Pfund über jemanden, der am Boden liegt. Fuß verhakt sich, 400 Pfund drücken weiter, Knie aua. Na super… Naja. Das hat sich bis heute eigentlich schon wieder soweit gebessert, dass ich wieder komplett normal laufen kann. Wär ja ganz schöner Trip nach Lubbock geworden – aber dann kommt auch noch die verdammte Grippe dazu. Seit Freitag, 9th period, tut mir permanent mein Kopf weh, ich hab einen Frosch im Hals und meine Nase läuft permanent. Zum Glück ist freitags offday, also nichts nach der Schule. Um 15:45 also ab nach Hause, und sofort ins Bett. und zack, bis 12 Uhr durchgeschlafen, und dann nochmal bis 18 Uhr. Macht fast 26 Stunden Schlaf :) Dazu kommt dann noch der verdammte Muskelkater, den ich überall, wirklich überall hab… Aber! Ich bin hart im Nehmen. Und alles wird besser.

Ich wollte schon immer mal Indianer sein…

•27. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Nach ganz ganz langer Verspätung, sowohl hier als auch im Austauschjahr, nunmal wieder ein Zwischenbericht.
Extrem coole Hostfam – 3 Gastgeschwister, 14, 11 und 2 Jahre alt. Eltern Harleyfahrer.
Der Ort ist extrem cool – Seminole, Texas. Insgesamt ein ziemlicher Sportort, und ziemlich klein.

Wenn man das erste Mal in die Schule kommt… WOW. Direkt, wenn man durch die Tür kommt, sieht man einen ca. 8m hohen Banner mit einem Indianer drauf. Das hat eine tiefere Bedeutung – wir sind nämlich die Seminole High School, und wir sind die Seminole Indians und Maidens.
Die Schule ist ungefähr so, wie man die High Schools aus Filmen kennt. Aber irgendwie… ist das ganz cool so.
Meine Fächerwahl sieht so aus:

Photojournalism
US-History
Algebra II
Video Technology
Athletics [Football!!]
Lunch
Theater
English III
Spanish I

Insgesamt muss man aber sagen, dass das Gesamtniveau in der Schule extrem niedrig liegt – bei Historytests kann man das Buch danebenlegen, bei Vokabeltests gibts einen Wordpool, es ist also nur Zuordnungsarbeit. Laaaangweilig!
Das Coole hier an der Schule ist aber, dass die Schule irgendwie einfach Hightech ist. In jedem Raum steht zumindest für den Lehrer ein brandneuer iMac, und Beamer. In Photojournalism und Video Tech hat auch noch jeder Schüler einen brandneuen iMac zum arbeiten und in Räumen, in denen Fächer wie Algebra unterrichtet werden, befinden sich nebst Beamer noch zusätzliche Dinger an der Decke, mithilfe derer der Lehrer mit einem Stift den iMac steuern kann. Der Lehrer muss nur mit einem Stift auf das Beamerbild tippen und kann dann quasi „draufschreiben“, was das Anzeichnen von Graphen und so in vorhandene Koordinatensysteme echt einfach macht. Nichts da Tafel wischen, einmal Tippen und du hast ein neues Koordinatensystem. Irgendwie… cool?
Und sowieso. Kaufen muss man recht wenig – Workbooks und so gibt’s in der Schule, Taschenrechner auch, sogar eine Canon EOS für Photojournalism stellt die Schule. Sportzeug gibts da, und wird sogar in der Schule gewaschen. :)
Was das tägliche Highlight ist: Athletics. Zu Hause fauler Schlaffi, aber hier hab ich echt Spaß an Athletics. Athletics ist Footballstellungsspiel und Krafttraining. Dann hab ich nach der Schule (15:45) direkt Footballtraining. 2 1/2 Stunden, in voller Rüstung. Das bedeutet… über 3 Zeitstunden Sport am Tag. Letztlich bedeutet das aber, dass ich abgesehen von Freitag NIE vor 7pm zu Hause bin… yippie!

Die erste Woche war ziemlich… anstrengend. Zwar haben die schon 3 andere Austauschschüler an der Schule, aber ich bin der einzige Junge. Dazu noch Footballer. Also sprechen mich alle möglichen Leute an, und sagen mir ihren Namen. Es müssen direkt am ersten Tag ca. 100 gewesen sein, und irgendwie fühlt man sich am Ende dumm, wenn man 5 behalten hat.
Insgesamt war die erste Woche eine Motto-Woche, wegen Homecoming. Homecoming ist ein riesiges Spektakel an amerikanischen Schulen und ein Riesenspaß :) Jeden Tag gibt’s also was anderes, was man anziehen soll. Apropos anziehen – letzten Donnerstag hatte JV (das Team, in dem ich spiele) ihr erstes Match. An Gamedays müssen wir uns herausputzen – das bedeutet extrem hässliche khaki Hosen und unser Travelshirt in der Schule. Natürlich in die Hose gesteckt, ÄTZEND. Wenigstens haben wir Lamesas Team richtig weggehauen, 28:10.

Dieses Wochenende war dann Homecoming… Das bedeutete Homecoming Schedule – Yippie, 30 MInuten pro Unterrichtsstunde, statt 45! Nur um dann am Ende des Schultages eine Pep Rallye zu haben, die nach einer Stunde vorbei war, obwohl 2 veranschlagt waren. Der erste Tag, an dem ich vor 7pm aus der Schule wiederkam. :) Am Abend ging’s dann zum Homecoming Footballmatch. Ich gucke übrigens total gerne Football, aber dieses Match war bösartig langweilig. Warum? Wir haben gegen Clint Lions gespielt. Und Clint Lions sind sowas wie die Looser im District. Die sind fast so schlecht wie Lamesa, Seminole Varsity hat sie 61:0 geschlagen. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie langweilig das war… Wenigstens waren wir danach noch richtig schön mexikanisches Buffet essen… Ich hab mich noch nie dermaßen überfressen. :P

Beim Homecomingdance fällt einem dann eins auf, verglichen mit Bällen und Parties in Deutschland… kein Alkohol, dafür extrem schmutziges Tanzen und trotzdem unheimlich viel Spaß. Naja, und danach gehen dann viele Jugendliche saufen, nämlich ihr Soda, versetzt mit Alkohol, destilliert aus Mundwasser und co. ;)

Was ihr mir nicht glauben werdet – ich hab mir gestern das erste Mal freiwillig meine Haare kurz schneiden lassen. EXTREM KURZ. Was war der Grund dafür? Nunja. Diese blöden Footballhelme, die sind so extrem warm, wenn man noch ‘ne Haarmatte zwischen Helm und Kopf hat. Also musste das, was entbehrlicher war, letztlich dran glauben… Meine Hostparents haben mir vorgeschlagen, mir einen Mohawk machen zu lassen – also einen Iro. Wie so’n richtiger Indianer. Haha! Das geht mir dann doch zu weit.

31 Tage noch…

•27. Juli 2009 • 2 Kommentare

oder: Zeit totschlagen deluxe!

Heute in ziemlich genau einem Monat – nämlich am 27. August – geht’s ab in die USA… Coastal Rim ist nachwievor die genaueste Ortangabe, die’s gibt… stört mich irgendwie noch nicht so recht, irgendwie macht sich nämlich meine Mum mehr Stress darüber als ich selbst – hauptsache, es fühlt sich noch bisschen weit weg an, damit ich mir ja nicht totalen Stress mache. Eigentlich auch ganz gut so.

Aber irgendwie ist es total komisch… die ersten fliegen schon Donnerstag, von denen man sich verabschiedet… und was von denen wohl so an Eindrücken und Erfahrungen rüberschwappt? Bin da ziemlich gespannt…

Dummerweise vergeht die Zeit bis zum 27. August irgendwie auch nicht so recht. Außer den alltäglichen Sachen hab ich nämlich nicht mehr wirklich viel vor – der Rest muss spontan kommen. Das wird er. Hoffe ich. Sonst… muss ich mich wohl selbst beschäftigen. Damit, irgendwelche Songs zu lernen – zum Beispiel 48 Stunden von Kettcar, übrigens ein unheimlich toller Song…

Aber hoffen wir mal, dass ich besseres zu tun hab als das.

 
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