Ich wollte schon immer mal Indianer sein…

Nach ganz ganz langer Verspätung, sowohl hier als auch im Austauschjahr, nunmal wieder ein Zwischenbericht.
Extrem coole Hostfam – 3 Gastgeschwister, 14, 11 und 2 Jahre alt. Eltern Harleyfahrer.
Der Ort ist extrem cool – Seminole, Texas. Insgesamt ein ziemlicher Sportort, und ziemlich klein.

Wenn man das erste Mal in die Schule kommt… WOW. Direkt, wenn man durch die Tür kommt, sieht man einen ca. 8m hohen Banner mit einem Indianer drauf. Das hat eine tiefere Bedeutung – wir sind nämlich die Seminole High School, und wir sind die Seminole Indians und Maidens.
Die Schule ist ungefähr so, wie man die High Schools aus Filmen kennt. Aber irgendwie… ist das ganz cool so.
Meine Fächerwahl sieht so aus:

Photojournalism
US-History
Algebra II
Video Technology
Athletics [Football!!]
Lunch
Theater
English III
Spanish I

Insgesamt muss man aber sagen, dass das Gesamtniveau in der Schule extrem niedrig liegt – bei Historytests kann man das Buch danebenlegen, bei Vokabeltests gibts einen Wordpool, es ist also nur Zuordnungsarbeit. Laaaangweilig!
Das Coole hier an der Schule ist aber, dass die Schule irgendwie einfach Hightech ist. In jedem Raum steht zumindest für den Lehrer ein brandneuer iMac, und Beamer. In Photojournalism und Video Tech hat auch noch jeder Schüler einen brandneuen iMac zum arbeiten und in Räumen, in denen Fächer wie Algebra unterrichtet werden, befinden sich nebst Beamer noch zusätzliche Dinger an der Decke, mithilfe derer der Lehrer mit einem Stift den iMac steuern kann. Der Lehrer muss nur mit einem Stift auf das Beamerbild tippen und kann dann quasi “draufschreiben”, was das Anzeichnen von Graphen und so in vorhandene Koordinatensysteme echt einfach macht. Nichts da Tafel wischen, einmal Tippen und du hast ein neues Koordinatensystem. Irgendwie… cool?
Und sowieso. Kaufen muss man recht wenig – Workbooks und so gibt’s in der Schule, Taschenrechner auch, sogar eine Canon EOS für Photojournalism stellt die Schule. Sportzeug gibts da, und wird sogar in der Schule gewaschen. :)
Was das tägliche Highlight ist: Athletics. Zu Hause fauler Schlaffi, aber hier hab ich echt Spaß an Athletics. Athletics ist Footballstellungsspiel und Krafttraining. Dann hab ich nach der Schule (15:45) direkt Footballtraining. 2 1/2 Stunden, in voller Rüstung. Das bedeutet… über 3 Zeitstunden Sport am Tag. Letztlich bedeutet das aber, dass ich abgesehen von Freitag NIE vor 7pm zu Hause bin… yippie!

Die erste Woche war ziemlich… anstrengend. Zwar haben die schon 3 andere Austauschschüler an der Schule, aber ich bin der einzige Junge. Dazu noch Footballer. Also sprechen mich alle möglichen Leute an, und sagen mir ihren Namen. Es müssen direkt am ersten Tag ca. 100 gewesen sein, und irgendwie fühlt man sich am Ende dumm, wenn man 5 behalten hat.
Insgesamt war die erste Woche eine Motto-Woche, wegen Homecoming. Homecoming ist ein riesiges Spektakel an amerikanischen Schulen und ein Riesenspaß :) Jeden Tag gibt’s also was anderes, was man anziehen soll. Apropos anziehen – letzten Donnerstag hatte JV (das Team, in dem ich spiele) ihr erstes Match. An Gamedays müssen wir uns herausputzen – das bedeutet extrem hässliche khaki Hosen und unser Travelshirt in der Schule. Natürlich in die Hose gesteckt, ÄTZEND. Wenigstens haben wir Lamesas Team richtig weggehauen, 28:10.

Dieses Wochenende war dann Homecoming… Das bedeutete Homecoming Schedule – Yippie, 30 MInuten pro Unterrichtsstunde, statt 45! Nur um dann am Ende des Schultages eine Pep Rallye zu haben, die nach einer Stunde vorbei war, obwohl 2 veranschlagt waren. Der erste Tag, an dem ich vor 7pm aus der Schule wiederkam. :) Am Abend ging’s dann zum Homecoming Footballmatch. Ich gucke übrigens total gerne Football, aber dieses Match war bösartig langweilig. Warum? Wir haben gegen Clint Lions gespielt. Und Clint Lions sind sowas wie die Looser im District. Die sind fast so schlecht wie Lamesa, Seminole Varsity hat sie 61:0 geschlagen. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie langweilig das war… Wenigstens waren wir danach noch richtig schön mexikanisches Buffet essen… Ich hab mich noch nie dermaßen überfressen. :P

Beim Homecomingdance fällt einem dann eins auf, verglichen mit Bällen und Parties in Deutschland… kein Alkohol, dafür extrem schmutziges Tanzen und trotzdem unheimlich viel Spaß. Naja, und danach gehen dann viele Jugendliche saufen, nämlich ihr Soda, versetzt mit Alkohol, destilliert aus Mundwasser und co. ;)

Was ihr mir nicht glauben werdet – ich hab mir gestern das erste Mal freiwillig meine Haare kurz schneiden lassen. EXTREM KURZ. Was war der Grund dafür? Nunja. Diese blöden Footballhelme, die sind so extrem warm, wenn man noch ‘ne Haarmatte zwischen Helm und Kopf hat. Also musste das, was entbehrlicher war, letztlich dran glauben… Meine Hostparents haben mir vorgeschlagen, mir einen Mohawk machen zu lassen – also einen Iro. Wie so’n richtiger Indianer. Haha! Das geht mir dann doch zu weit.

~ von Steph am 27. September 2009.

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