Nach langer Zeit mal wieder…

Ich weiß, ich sollte einen Blog nicht beinahe zwei Monate verwaist lassen. Trotzdem, es gab wichtigeres & wenn man mal Zeit hat, denkt man halt nicht unbedingt immer an den Blog…

In den fast zwei Monaten ist recht viel passiert/erlebt:

1. Postseason-Depression (oder: Offseason Training): Um sich in Form zu halten (oder auch zu bringen) für die nächste Saison, ist man als Footballspieler quasi verpflichtet, am Offseasontraining teilzunehmen. Offseason ist so ziemlich das blödeste, was es an Sport gibt – man trainiert extrem hart und irgendwie kriegt man nicht wirklich direkt was zu sehen davon.

2. Thanksgiving: statistisch der Tag, an dem in den USA am meisten Essen pro Kopf verschlungen wird. Vor Weihnachten noch. Das hab ich einige Stunden vor’m großen Fressen gelesen… und sah dem Ganzen irgendwie mit Grauen entgegen. Dazu kommt dann auch noch das ganze Familienzeug – an sich nichts schlimmes, aber wenn man als Austauschschüler sich dann auch noch geschätzte 50 Namen zusätzlich an einem Tag merken muss, wird das irgendwie zuviel. Insgesamt ist hier Thanksgiving aber einfach eine Familienzusammenkunft, zu der unheimlich viel gegessen wird. Der Truthahn gehört natürlich dazu! Ganze 5 Truthähne gab’s allein bei uns an dem Tag. Mit der ursprünglichen Bedeutung, wieso Thanksgiving überhaupt gefeiert wird, hat das nicht mehr viel zu tun [Großzügige, nette Indianer hatten Anno Domini wasweißichwann europäische Siedler vor dem Verhungern gerettet], von “vor dem Verhungern retten” kann bei der Essensschlacht nicht mehr die Rede sein. Vielleicht liegt’s aber auch einfach daran, dass hier alles bisschen größer ist. Everything is big in Texas!

3. Gefühlsleben ist rasant hier. Alles kann sich innerhalb von paar Tagen verändern. Selbst, wenn man denkt, es hält ewig – Nein, hier kann’s auch nach 2 Tagen vorbei sein. Vielleicht liegt das auch an der Einstellung der Amerikaner zu sowas: Hier reicht ein “Like” (Nein, nicht das like, das man später automatisch 10x in Sätze einbaut!) für eine Beziehung aus. Irgendwo praktisch, irgendwo aber auch blöd. Wie auch immer, kann man sehen wie man will.

4. Weihnachtsshopping: DAS ist KRANK. Der Tag nach Thanksgiving, Black Friday, ist der offiziell erste Tag des Weihnachtsshoppings. Viele Läden öffnen um 5 Uhr morgens und haben auf ALLES Rabatte – wieviel hängt immernoch vom Produkt ab. Aber ernsthaft, da stehen dann wirklich um 5 Uhr morgens 100 Leute vor Walmart, die darauf warten, die Regale leerzukaufen – irgendwie gibt’s das in Deutschland nicht so wirklich. Auch in den Wochen danach, bis Weihnachten, wurd’s nicht wirklich besser… der Walmart Parkplatz war durchgehend voll, in vielen Läden konnte man teilweise bestimmte Sachen gar nicht mehr kaufen… zum Glück gibt’s dann noch immer amazon.com, was ich letztlich für meine Weihnachtsgeschenke benutzt hab. :) Zur Weihnachtszeit gibt’s aber quasi nur Angebote im Laden – die meisten großen Versandhändler nehmen nämlich vor Weihnachten ihre Superangebote raus…

5. Weihnachten selbst: Vielleicht leicht übertrieben. Aber dennoch toll. Die Vorweihnachtszeit war eher Arbeit und Stress – Geschenkeshopping und Haus dekorieren. Apropos Dekorieren, wer gedacht hat, dass das bei wem selbst extrem ist: Kommt nach Texas. Oder in die USA allgemein. Unser Haus war ein weniger dekoriertes – “nur” zweifarbige Lichterkette auf dem Hausdach, 3 Weihnachtsbäume drinnen und die Bäume im Vorgarten mit Lichterketten umwickelt. Anderswo sind ganz andere Verhältnisse! An Weihnachten, hier der 25. Dezember, werden die Geschenke aufgemacht. Essen gibt’s fast wie an Thanksgiving, die ganze Familie kommt auch. Und noch viel besser: GESCHENKE!! :) Hier wird einfach so unheimlich viel verschenkt. Irgendwie fühlt man sich schon schlecht, wenn man alles geschenkt kriegt… Traditionell auch wieder mit Truthahn, und all dem anderen leckeren Zeug :) Insgesamt ist aber das ganze Drumherum größer als Weihnachten selbst…

6. Ferien. Genauer: Christmasbreak. Ferien sind was anderes als in Deutschland. In Deutschland sind Ferien zum Spaß haben da. Man macht mehr mit Freunden, als man sonst könnte. Hier eher gegenteilig. Die meisten sind während Christmasbreak woanders gewesen, bei Familie, sprich Oma und Opa halt, oder so. Das ist dann meist mehrere Stunden weit weg, was andere Leute, die hier im Ort bleiben, ziemlich gelangweilt zurücklässt. Irgendwie war ich dann letztlich froh, dass die Schule wieder anfing…

7. Handynutzung. In den USA benutzen Jugendliche anders als in Deutschland KAUM ICQ; MSN oder sowas. Normalerweise hat hier JEDER unlimited texting – soviel SMS wie man will. Dementsprechend wird das auch genutzt hier. Die meisten texten einfach so, wie manch andere über ICQ schreiben. Anfangs war ich eher skeptisch – aber wenn man keine andere Möglichkeit hat, mit den anderen in Kontakt zu bleiben, ist man irgendwann drauf angewiesen. Und von da an ging’s bergab. Handy, unlimited texting für 19$ im Monat. Von der Verbreitung der Unlimited-Tarife in Deutschland kann man nur träumen. Jedenfalls hat mich das unlimited texting echt gerettet. Man zahlt hier sonst, wenn man kein unlimited hat, meist so um die 10cent pro SMS. Gesendet UND EMPFANGEN. An manchen Tagen, an denen es bei mir über die 600 txts ging, wäre ein Handy ohne unlimited tödlich gewesen…

8. Drinkrefills: In Restaurants bezahlt man EINMAL ein Getränk, dann kriegt man einen Becher und man darf sich so oft Getränke nachfüllen wie man will. Wünschte, wir hätten das in Deutschland…

9. Amerikaner und deutsche Schokolade. In geringerem Ausmaß hab ich das schon erlebt, als ich herkam – Amerikaner mit ihrer Hershey’s Schokolade, die schlechter schmeckt als die billigste Schoki in Deutschland, kriegen Milka oder gar Lindt zu essen – Himmel für sie. Letzte Woche kam dann auch noch mein Paket aus Deutschland an. Mit 10 Kilo Schoki drin. Diesmal auch viel Kinder Schokolade und so. Das ist noch VIEL BESSER in ihren Augen als Milka – Ich zitiere einfach mal jemanden: “I don’t trust foreign chocolate. I don’t wanna eat it.” “Just eat it, fag!” “OH MY GOD THIS IS THE DAMN BEST CHOCOLATE I’VE EVER HAD IN MY LIFE I WANT MOOOORE!”

Soweit heute :) Wer irgendwas anderes wissen möchte, fragt einfach nach.

Liebe Grüße aus Texas :)

~ von Steph am 14. Januar 2010.

2 Antworten to “Nach langer Zeit mal wieder…”

  1. Hell yeah the chocolat thing is so damn true haha

  2. los los los, mach mal wieder nen neuen eintrag ;)

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